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Die Funde von Nebra im Vergleich zu anderen frühbronzezeitlichen Funden der Makroregion PDF Print E-mail

 

Die Funde von Nebra - Himmelsscheibe wie Beifunde - sind zumindest in ihrer chemischen Zusammensetzung sehr ähnlich. Sucht man nach Funden ähnlicher Zusammensetzung im Datenbestand von Halle, so ergibt sich nur bei zwei Funden eine gute Übereinstimmung - einem Randleistenbeil aus dem Depot von Burgstaden und einem weiteren Randleistenbeil aus Gehofen. Der FMZM-Datensatz liefert mehr Entsprechungen, in ganz Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt immerhin knapp 20, in ganz Ostdeutschland und dem Museum Stettin über 60 (Schwerpunkt Schwerin - Stralsund - Stettin). Fasst man die Suchkriterien etwas weiter (Faktor 1,5 der jeweiligen Min/Max-Werte der Nebra-Verteilung), so ergeben sich - wie zu erwarten - auch mehr Treffer im Datensatz von Halle. Neben den beiden schon erwähnten Beilen aus Burgstaden und Gehofen erfüllt noch ein weiteres Randleistenbeil aus dem Fürstengrab von Leubingen, ein Ösenhalsring aus dem Depot von Lissen und ein Ring aus Mücheln die Kriterien.
Trotz der insgesamt knapp 20 Vergleichsfunde (FMZM-Datensatz) aus Mitteldeutschland, ist dieses Material - gemessen an der Gesamtzahl an Funden - doch eher selten. Es erscheint daher unwahrscheinlich, dass die Nebrafunde aus Kupfer hergestellt wurden, das in der Region aus lokal vorkommenden Erzen erschmolzen wurde. In diesem Fall wäre eine größere Fundhäufigkeit zu erwarten. Das Nebrakupfer dürfte daher aus einer weiter entfernten Quelle stammen und importiert worden sein. Ob nun aber die fertigen Bronzegegenstände oder nur das Rohmaterial nach Mitteldeutschland gekommen sind, lässt sich anhand der durchgeführten Materialanalysen nicht klären.

 

Fahlerzkupfer

Im frühbronzezeitlichen Fundbestand aus dem Landesmuseum Halle dominieren die Fahlerzmetalle. Dies war aufgrund der früheren Untersuchungen (Otto/Witter, SAM, FMZM) auch nicht anders zu erwarten, da Fahlerzkupfer in der Frühbronzezeit Mitteleuropas generell weit verbreitet war. Rund 90 % der Metallfunde aus Halle bestehen aus verschiedenen Sorten Fahlerzkupfer, wobei sich anhand der Analysen vier Gruppen unterscheiden lassen:

 

  1. Nickelreiches Fahlerzkupfer: vor allem bei den frühen Funden (Depots von Kyhna, Schollene, Halle-Giebichenstein) fand dieses Material Verwendung. Für den Aufschwung der Metallurgie am Beginn der Frühbronzezeit Mitteldeutschlands hat nickelreiches Fahlerzkupfer offensichtlich eine besondere Bedeutung. Auch der große Hortfund von Dieskau III besteht aus dieser Metallsorte.
  2. Ösenringmetall, das mengenmäßig in Mitteldeutschland aber nur untergeordnete Bedeutung hat.
  3. Fahlerzkupfer mit einem sehr spezifischen Silbergehalt von ca. 1% und variablem Ni-Anteil, typisch hierfür die Horte von Kanena III und Schkopau.
  4. Niedrig legierte Zinnbronzen auf Fahlerzkupferbasis, das sich vor allem durch niedrigere Silberanteile von den anderen Sorten unterscheidet. Typisch hierfür sind die Beile von Freiroda, Lissen, Burgstaden und teilweise Bennewitz.

Die Unterschiede in der Metallzusammensetzung zwischen den Horten können vielleicht damit erklärt werden, dass jedes Depot für sich genommen die Kupfersorten zu einer bestimmten Zeit widerspiegelt, wobei sich die Verfügbarkeit der verschiedenen Metallsorten innerhalb eines Zeitraums von rund 250 Jahren offenbar rasch verändert hat. Die Depots wären so gesehen gewissermaßen "Momentaufnahmen" der Kupferversorgung in der Frühbronzezeit.

 

Arsenkupfer

Eine weitere, sehr charakteristische Materialgruppe ist Arsenkupfer mit 3 bis 6% Arsen. Arsenkupfer wurde vorzugsweise für Dolch- und Stabdolchklingen eingesetzt. Dies zeigt sich vor allem beim Hort von Dieskau II der neben verschiedenen Ringbarren auch einige Stabdolche enthält. Der Arsenanteil weist eine erstaunlich geringe Streuung auf, dagegen streut der Antimongehalt in weiten Grenzen. Eine Erklärung, warum gerade Arsenkupfer vorwiegend nur für Klingen verwendet wurde, könnte darin bestehen, dass diesen Metall besonders gute Gießeigenschaften aufweist, die gerade beim heiklen Gießen von Klingen eine Rolle gespielt haben.

 

Laufende Arbeiten

An den Funden aus Mittel- und Ostdeutschland, die in ihrer chemischen Zusammensetzung dem Nebramaterial entsprechen, wird anhand zusätzlicher NAA-Analysen und Bleiisotopenmessungen geprüft, inwieweit dieses Material eine homogene Gruppe darstellt, bzw. ob es sich überhaupt gruppieren lässt. Diese Untersuchungen werden an Restproben aus dem FMZM-Projekt durchgeführt. Aus den neu gewonnen Daten und den Ergebnissen aus dem FMZM-Projekt wird derzeit ein integraler Datensatz für Mitteldeutschland erstellt, der auch alle relevanten archäologischen Informationen enthält. Die Daten sollen dann mit multivariaten statistischen Methoden (Clusteranalyse) gruppiert werden.

 

Literatur

Breddin, R. (1969): Der Aunjetitzer Bronzehortfund von Bresinchen, Kr. Guben. Veröffentlichungen des Museums für Ur- und Frühgeschichte Potsdam 5, 15-56.

Junghans, S., Sangmeister, E. und Schröder, M. (1960): Metallanalysen kupferzeitlicher und frühbronzezeitlicher Bodenfunde aus Europa. Studien zu den Anfängen der Metallurgie1, Berlin.

Junghans, S., Sangmeister, E. und Schröder, M. (1968): Kupfer und Bronze in der frühen Metallzeit Europas. Die Metallgruppen beim Stand von 12000 Analysen. Studien zu den Anfängen der Metallurgie 2, 1-3.

Junghans, S., Sangmeister, E. und Schröder, M. (1974): Kupfer und Bronze in der frühen Metallzeit Europas. Studien zu den Anfängen der Metallurgie 2, 4.

Krause, R. (2003): Studien zur kupfer- und frühbronzezeitlichen Metallurgie zwischen Karpatenbecken und Ostsee. Vorgeschichtliche Forschungen 24.

Lutz, J. und Pernicka, E. (1996): Energy dispersive X-ray fluorescence analysis of ancient copper alloys: empirical values for precision and accuracy. Archaeometry 38(2), 313-323.

Otto, H. und Witter, W. (1952): Handbuch der ältesten vorgeschichtlichen Metallurgie in Mitteleuropa.

Riederer, J. (1978): Metallanalysen der Randleistenbeile eines Hortfundes von Bennewitz. Berliner Beiträge zur Archäometrie 3, 43-49.

 

 
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