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Die Höhensiedlungen der Mikro- und Makroregion. Ökonomische, politisch-soziale, administrative und kultische Zentralorte PDF Print E-mail

 

Zusätzlich zu den bekannten Höhensiedlungen in Mitteldeutschland wurden aus der Luft neu entdeckte Fundplätze in die Untersuchungen einbezogen. Diese können zunächst nicht datiert werden, so dass systematische Begehungen der Flächen durchgeführt wurden, um potentielle frühbronzezeitliche Fundplätze herauszufiltern. In die Untersuchungen wurden letztendlich ein Fundplatz der Mikroregion und zwölf Fundplätze der Makroregion um Nebra (Umkreis von 40 km) einbezogen, die nach den Begehungen und der Sichtung der bereits vorhandenen Altfunde vielversprechend erschienen. Elf Anlagen wurden im Vorfeld der Grabungen aufgemessen sowie geophysikalisch untersucht (Kooperationspartner Prof. Dr. J. Kubiniok, Universität des Saarlandes und Firma Schweitzer-GPI Geophysikalische Prospektion & Interpretation). Damit wurde die Grundlage für die archäologischen Ausgrabungen geschaffen, die im Frühjahr 2005 begannen und in den Jahren 2006 und 2007 fortgesetzt wurden.

In Esperstedt auf der Kuckenburg wurden im Jahr 2005 zwei Sondageschnitte von 2 m Breite angelegt, um die im Luftbild und in der Geomagnetik sichtbaren Gräben zu untersuchen. Zudem wurde 2007 auf dem Sporn ein 10 m x 30 m großer Schnitt angelegt, um die Besiedlung im Innenbereich einordnen zu können. Dabei wurde festgestellt, dass die Gräben zum Teil in die späte Bronzezeit, zum Teil ins Mittelalter datieren. Dies zeigte sich auch bei den Siedlungsgruben im vorderen Bereich. Neben einem frühmittelalterlichen Grubenhaus, wurden hier vor allem spätbronzezeitliche Siedlungsgruben dokumentiert. Besondere Aufmerksamkeit verdienen fünf Gruben, in denen vollständige menschliche Skelette oder Teile davon gefunden wurden. Ähnliche Siedlungsbestattungen wurden auch beim Bau der A38 auf der anderen Talseite entdeckt.

Zwei im Luftbild erkannte Grabenwerke (Esperstedt, Fpl. 16 & 17) befinden sich einige hundert Meter von der Kuckenburg entfernt. Sie wurden mit jeweils einem Sondageschnitt untersucht. Das östliche Grabenwerk (Fpl. 17) besteht aus zwei im Abstand von ca. 5,5 m parallel zueinander verlaufenen Gräben. An einigen Stellen waren kleinere Unterbrechungen von ca. 0,3 m Länge erkennbar. Der Äußere Graben zeichnete sich im Querprofil als U-förmiger Sohlgraben von 0,35 m Tiefe unter Planum 1 und einer Breite von 0,6 bis 0,9 m ab. Im Längsprofil waren einzelne Segmente unterschiedlicher Tiefe und Ausführung erkennbar. So wechselten flache, wannenförmige Bereiche mit einer Tiefe von ca. 0,1 m u. Planum 1 mit kastenförmigen Abschnitten, die eine Tiefe von bis zu 0,4 m u. Planum 1 aufwiesen. Zwischen den Segmenten konnten die bereits im Planum beobachteten Unterbrechungen weiterverfolgt werden. Auch beim inneren Graben konnten Bereiche unterschiedlicher Tiefe festgestellt werden. Im Gegensatz zum äußeren Graben ist er aber als Spitzgraben ausgeprägt. Die Länge der unterschiedlichen Abschnitte schwankte im freigelegten Bereich. Eine Regelmäßigkeit konnte auf Grund des beschränkten Grabungsausschnittes ebenso wenig festgestellt werden, wie eine Übereinstimmung der unterschiedlich abgetieften Bereiche zwischen den einzelnen Gräben. Über die in den Gräben gefundene Keramik konnte das Grabenwerk in die Salzmünder Kultur datiert werden. Die westlich gelegene Anlage (Fpl. 16) bestand ebenfalls aus zwei Gräben, die in einem Sondageschnitt freigelegt wurden. Der äußere Graben zeigte sich im Profil als flacher Sohlgraben mit doppelter Pfostensetzung, der innere Graben als max. 1,50 m tiefer Sohlgraben. Die naturwissenschaftliche Datierung dieser Anlage mit Hilfe der Radiokarbonanalyse steht bisher noch aus.

Auf dem Kohlberg bei Mücheln wurden mit drei Schnitten die fünf im Luftbild und in der Geophysik erkannten Gräben und ca. zehn Siedlungsgruben untersucht. Unter der dabei geborgenen Keramik fanden sich in einigen Befunden und einem Graben doppelkonische Vorratsgefäße und bauchige Henkeltassen, die neben den breiten Henkeln, Tunnelösen, waagerechten Linienbändern und Scherbenrodellen auf eine Datierung in die Bernburger Kultur des Spätneolithikum hindeuten. Andere Funde stammen aus der Spätbronzezeit und sprechen für eine zweite Besiedlung in dieser Zeit.

Aus Querfurt vom Burggelände sind bereits frühbronzezeitliche Funde bekannt. Es handelt sich dabei um Gräber der Aunjetitzer Kultur und Lesefunde von einem Acker im Bereich des Vorburggeländes.
Aus diesem Grund wurde auf dem Gelände und im angrenzenden Bauernmuseum geomagnetische Prospektionen durchgeführt, bei der drei Gräben zu Tage traten, von denen zwei in der Grabung dokumentiert werden konnten. Die zeitliche Einordnung des südlichen Grabens wird im Moment über die darin gefundenen Knochen und Holzkohlen naturwissenschaftlich ermittelt. Auch aus den in den nördlichen Grabungsschnitten gelegenen Gruben konnte nur wenig datierbares Material gewonnen werden. Da die Grabung in diesem Bereich jedoch erst im August 2007 durchgeführt wurde, stehen die Ergebnisse noch aus.

Die Rudelsburg ist der zweite Fundplatz, von dem bereits im Vorfeld aunjetitz-zeitliche Funde und Befunde vorlagen. Dabei handelt es sich vor allem um Lesefunde. Nur beim Bau eines Trafohäuschens am Südhang konnte im dabei angeschnittenen Hang eine Schicht dokumentiert werden, die ein aunjetitzzeitliches Keramikfragment enthielt und somit in diese Zeit datiert wird. Da der Sporn, auf dem man den Hauptbereich der aunjetitzzeitlichen Siedlung vermutet, von der Rudelsburg besetzt ist, fanden die Grabungen 2005 und 2006 im Vorburggelände und am Hang statt. Die Arbeiten wurden jedoch auch hier durch die stellenweise bis zu 3,50 m mächtigen mittelalterlichen Kulturschichten erheblich erschwert und in die Länge gezogen. Zudem zeigte sich anhand von vorgeschichtlichem, darunter auch aunjetitzzeitlichem Keramikmaterial in den mittelalterlichen Schichten, dass mit einer erheblichen Störung der vorgeschichtlichen und damit auch der aunjetitzzeitlichen Befunde zu rechnen ist. Unter den mittelalterlichen Kulturschichten ließen sich jedoch auch in den anstehenden Löß eingetiefte vorgeschichtliche Befunde dokumentieren, so dass die vollständige Zerstörung auszuschließen ist. Die bereits datierten Befunde von 2005 stammen jedoch wie der größte Teil der verlagerten Funde aus der späten Bronze- und frühen Eisenzeit. In einem beim Bau eines Trafohäuschens angelegten Profil zeigte sich ein Befund, aus dem eine Scherbe der Aunjetitzer Kultur, ein Knochen und etwas Holzkohle geborgen werden konnten. Dieser endete unmittelbar hinter dem Profil, so dass nur über die Radiokarbondatierung von Knochen und Holzkohle die archäologisch-typologische Datierung abgesichert werden.

Auf dem Burgstadel bei Schönburg konnten in den zwei Sondageschnitten von 2 m Breite und 24 m bzw. 26 m Länge eine Grube und ein Graben dokumentiert werden. Die Datierung der Grube erfolgt über die Keramik in die Eisenzeit. Der Graben kann über die darin gefundene Keramik ins Mittelalter datiert werden. Die Grabung auf dem Fachberg in Schönburg erfolgte 2006. Dabei wurden mit zwei Sondageschnitten zwei im Luftbild erkannte Gräben geschnitten und eine Reihe von Befunden im Innern der Grabenstruktur dokumentiert. In der oberen Grabenverfüllung sowie in einigen Befunden fand sich dabei eisenzeitliche Keramik, in einigen Befunden auch spätbronzezeitliche Funde.

Auf dem Tempelberg in Großjena wurden insgesamt 4 Sondageschnitte angelegt. Beim Schneiden der im Luftbild sichbaren Gräben stellte sich heraus, dass der ca. 3,5 m breite Abschnittsgraben stratigraphisch älter ist, als der kleinere Kreisgraben. Über die darin gefundene Keramik erfolgt eine vorläufige Einordnung ins Mittelneolithikum. Die neben den beiden Gräben dokumentierten Befunde ließen ebenfalls nicht auf eine frühbronzezeitliche Besiedlung schließen. Es handelt sich zum Großteil um neuzeitliche Pflanzgräben, die parallel über die Fläche verlaufen. Bei den Grabungen in Wendelstein wurden gezielt die den Hohlweg säumende Wallstruktur und zwei weitere geophysikalisch vielversprechende Stellen aufgedeckt. Dabei ließ sich der Schichtaufbau des Walls klar nachvollziehen. Er wird aus einer unter dem Humus liegenden Schicht gebildet, die die vorgeschichtlichen Befunde überdeckt und ist somit jünger als diese. Unter den Befunden konnte unter anderem eine eisenzeitliche Vorratsgrube mit dem Skelett einer Ziege freigelegt werden. Andere Funde deuten auf eine Nutzung des Fundplatzes schon in der späten Bronzezeit.

Auf der Altenburg bei Großwangen wurden 2005 und 2006 geophysikalische Untersuchungen vorgenommen. Diese ließen jedoch keine ausgrabenswerten Strukturen erkennen.

Im September 2007 wurde auf dem Clausberg bei Vogelsberg ein 4 m x 20 m großer Sondageschnitt angelegt. Dabei konnten insgesamt 11 Befunde dokumentiert werden, die teilweise sehr schlecht erhalten waren und kein datierendes Scherbenmaterial enthielten. 

Bei der Untersuchung frühbronzezeitlicher Höhensiedlungen stellte sich heraus, dass es weit weniger eindeutig belegte Höhensiedlungen der Aunjetitzer Kultur in Mitteldeutschland gibt als bisher angenommen. Auch durch intensive Grabungen konnte der Forschungsstand zur inneren Struktur und Befestigung dieser Siedlungen nicht verbessert werden. Wenn sich eine Strukturierung im Siedlungswesen manifestiert hat, so sind die Hinweise darauf in den „normalen“ Siedlungen im Flachland, am Hang und auf Kuppen zu suchen. Bei den Fundplätzen, an denen bislang Hausgrundrisse dokumentiert werden konnten, handelt es sich entweder um Einzelgehöfte, die aus ein bis zwei Häusern bestehen, oder um Siedlungen mit mehreren, auch funktional unterschiedlichen Hausbauten, die teilweise von Grabenwerken umschlossen werden. Ziel der nächsten Jahre soll es sein, das Verhältnis dieser Siedlungstypen zueinander und die innere Struktur der Siedlungen zu untersuchen, um so Rückschlüsse auf Strukturen innerhalb der Siedlungen und im Siedlungsgefüge aufzudecken. Dazu werden einerseits die Einzelgehöfte zusammenfassend untersucht und bereits vollständig erfasste, gegrabene Siedlungen – vor allem Zwenkau in Sachsen – analysiert, andererseits wird die Siedlung von Schlossvippach in Thüringen weiter ausgegraben, da sie ein einzigartiges Ensemble an Befunden mit unterschiedlichen Hausbauten, Brunnen, befestigtem Weg und einem dazugehörigen Gräberfeld bietet. In der zusammenfassenden Analyse soll somit ein differenziertes Bild des frühbronzezeitlichen Siedlungswesens in Mitteldeutschland erarbeitet werden.

 

 

 

Last Updated on Friday, 13 March 2009 09:24
 
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