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Startseite Kreisgräben Laufende Arbeiten Die endneolithisch-frühbronzezeitliche Kreisgrabenanlage von Pömmelte-Zackmünde - Ergebnisse der Grabungen 2005-2008
Die endneolithisch-frühbronzezeitliche Kreisgrabenanlage von Pömmelte-Zackmünde - Ergebnisse der Grabungen 2005-2008 PDF Print E-mail

 

Die Anlage von Pömmelte-Zackmünde war bei Prospektionsflügen des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt im Jahr 1991 entdeckt worden. Aus der Luft waren der kreisrunde Graben der Anlage mit insgesamt 4 Durchgangsituationen sowie Teile einer begleitenden Innenpalisade erkennbar. Aufgrund der vor den Grabungsarbeiten durchgeführten geophysikalischen Prospektion ließen sich zudem Teile eines vor dem Kreisgraben gelegenen Rings von Gruben und ein weiteres segmentartiges Grabenstück ausmachen. Erst die Grabung offenbarte jedoch die Komplexität der in das ausgehende 3. Jt. v. Chr. datierenden Anlage aus 1) einem äußeren Pfostenkranz, 2) einem Ring länglichen Gruben, 3) dem Kreisgraben mit vorgelagertem Wall und 4) innen begleitender Palisade sowie 5) einem größeren und 6) einem kleiner in der Innenfläche gelegenen Pfostenkranz. Alle Ringe haben einen gemeinsamen Mittelpunkt.

 Lage und Luftbild der Fundstelle. Rechts unten T. Kluge von der Firma PZP beim prospektieren der Fundstelle. (Foto R. Schwarz, [LDA Sachsen-Anhalt], A. Spatzier)

Das monumentale Bauwerk besitzt zwei Zugangsituationen im OSO und WSW, in deren Achse alle weiteren Ringe Unterbrechungen oder besondere Pfostenstellungen aufweisen. Hinzu kommen zwei kleinere Unterbrechungen des Kreisgrabens im NW und SSW, die jedoch keine Entsprechungen in den Pfostenringstrukturen besitzen. Die Hauptzugänge der Anlage sind in Richtung des Aufgangspunktes der Sonne am Beginn des agrarischen Jahres sowie deren Untergangspunkt zur Zeit eines zu vermutenden Frühlingsfestes orientiert, welches dem Beltaine-Fest des keltischen Jahreskreises entsprechen würde.

Blick über die Grabungsfläche mit der Zugangssituation zum Inneren der Anlage im OSO. (Foto A. Spatzier)

Der nahezu exakt kreisförmige Graben war als Sohlgraben anlegt worden. Dessen obere Verfüllung war relativ homogen humos, in der unteren Hälfte konnte eine humos/sandig-schottrige Schichtung erkannt werden. Diese könnte relativ kurz nach Ausheben des Grabens entstanden sein, wie der anstehende sehr lockere Elbekies vermuten lässt.
Eine Besonderheit stellen die in den Kreisgraben eingetieften schachtartigen Gruben dar. Der Großteil dieser Schachtgruben war nach der wohl natürlich bedingten Teilsedimentierung des Grabens aufgrund des Abrutschens der oberen Grabenwandung angelegt worden. Die Verfüllung der Gruben deutet darauf hin, dass sie nicht über längere Zeit offen standen, sondern vielmehr mit einem bestimmten Ereignis zu verbinden sind.

 Längsschnitt durch den Kreisgraben von Pömmelte-Zackmünde mit den drei Deponierungsgruben. (Foto A. Spatzier, Bearbeitung T. Spazier)

Das Ausheben der Schachtgruben ist offenbar im Zusammenhang mit rituellen Handlungen oder religiösen Feier geschehen. Hinweis für derartige Vermutungen liefern die im unteren Teil, besonders jedoch auf dem Boden entdeckten Funde, die als intentionelle Deponierungen von Gegenständen, Überresten von Festmahlen o.ä. anzusprechen sind. Mehrfach wurden über den Gruben in Höhe der Grabenverfüllung Funde freigelegt, bei denen es sich wohl um sekundäre Deponierungen handelt. Beispielsweise konnte aus einer Schachtgrube ein Ensemble von vier Gefäßen geborgen werden, das als Trinkservice gedient haben könnte. Über der Grube fanden sich zwei einzelne Menschenschädel. Des Weiteren konnten aus den Gruben Mahlsteine, Steinbeile und Tierknochen mit Schnittspuren geborgen werden.

Gefäßensemble aus einer Schachtgrube und Deponierung von Steinbeilen aus dem Bereich über einer anderen Schachtgrube. (Foto A. Spatzier)

Einen wichtigen Schlüssel zum Verständnis der Anlage liefern die Skelette, Skelettteile und einzelnen Schädel menschlicher Individuen, die zumeist aus der Verfüllung des Kreisgrabens über den Schachtgruben oder aus den Schachtgruben selbst stammen. Zwei in der Kampagne 2008 freigelegte Befundsituationen sind von besonderer Bedeutung. Auf dem Boden einer Schachtgrube fanden sich die vollständigen Skelette zweier Individuen, die man nicht pietätvoll bestattet hatte. Für ein Individuum ist aufgrund der Lage der Hände eine Fesselung im Bereich der Handgelenke zu vermuten. In einer weiteren Schachtgrube lagen die Skelette von ebenfalls zwei Menschen, wobei in einen Fall die Beine, im anderen Arme und Beine fehlten. Zumindest eines dieser Individuen wies mehrere, wohl von einem Steinbeil stammende Schlagmarken am Schädel auf.

Während der Kampagne 2008 konnten in einer Schachtgrube die vollständig erhaltenen Skelette zweier Individuen freigelegt werden. Es handelt sich nicht um reguläre Bestattungen. (Foto A. Spatzier)

Das Areal der Rondellanlage wurde zudem für Bestattungen entsprechend dem am Ende des 3. Jt. v. Chr. „regulären“ Grabritus genutzt. Es handelt sich um typische Gräber mit Bettung der Toten in rechter oder linker Hocklage. Neben diesen fanden sich jedoch auch Grabgruben, in denen lediglich ein einzelner menschlicher Schädel lag. Des Weiteren konnten grabartige Gruben ergraben, in denen keine Knochenreste oder Beigaben gelegen waren werden und bei denen es sich um Kenotaphe handelt könnte. Entsprechend ist von einer Vielschichtigkeit des Totenrituals auszugehen. Die älteste Bestattung stellt eine Totenhütte mit Vierpfostenkonstruktion dar. Dem Toten, von welchem sich lediglich ein Unterschenkel fand, hatte man eine Steinaxt (A-Axt), ein geschliffenes Silexbeil und zwei Silexklingen mit in Grab gelegen. Aufgrund der aufwendigen Grabkonstruktion und der Beigaben kann auf eine herausgehobene soziale Stellung des Bestatteten geschlossen werden. Dass die Gräber in direktem Bezug zur Anlage standen, belegt deren ringartige Positionierung auf der östlichen Hälfte des Monuments zwischen Kreisgraben und äußerem Pfostenkranz.

 Studenten beim Freilegen eines Hockergrabes im Sommer 2007. (Foto J. Lipták, LDA Sachsen-Anhalt)

Das Fundgut datiert die Kreisgrabenanlage ins letzte Drittel des 3. Jt. v. Chr. Im keramischen Spektrum lassen sich Formen der zu dieser Zeit in Mitteldeutschland verbreiteten Kulturen erkennen. Neben Elementen der Schnurkeramik und einigen Stücken der Einzelgrabkultur handelt es sich vor allem um Typen der späten Glockenbecherkultur sowie der frühesten Ausprägung der Aunjetitzer Kultur (Protoaunjetitz). Die Befundsituation und die Funde erlauben es, das Monument als Heiligtum anzusprechen. Offenbar diente es als Ort zur Durchführung von Zeremonien und rituellen Handlungen in Bezug zum die damaligen, agrarisch geprägten Gesellschaften bestimmenden Jahreszyklus und im Rahmen von Übergangsriten zwischen sozialen und sozio-biologischen Entwicklungsstadien menschlicher Individuen.

Auswahl von Funden aus dem Kreisgraben, die während der Sondagegrabung im November 2005 geborgen wurden.

Während der Kampagne 2007 konnte direkt außerhalb des Rondells im S ein Pfostenbau ergraben werden, der aufgrund seines Grundrisses sowie der Gefäßdeponierung in einer Pfostengruben in die Frühbronzezeit zu datieren ist. Im darauf folgenden Jahr gelang es in Folge gezielter Sondierungen 3 weitere Hausgrundrisse etwas weiter südlich zu dokumentieren. Es handelt sich um den Teil einer vermutlich größeren, zumindest zweiphasigen Siedlung der Frühbronzezeit. Ob diese zeitgleich mit der Kreisgrabenanlage bestanden hat, müssen weiterführende Untersuchungen klären.

Blick über den 2007 ergrabenen frühbronzezeitlichen Pfostenbau. Weitere Hausgrundrisse einer Siedlung der frühen Bronzezeit fanden sich in der Nähe. (Foto J. Lipták, LDA Sachsen-Anhalt)

 

Last Updated on Tuesday, 26 May 2009 07:23
 
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