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Grabungen des Jahres 2005 PDF Print E-mail

 

Die Ausgrabungen des ersten Projektjahres erfolgten von Frühlingsanfang im März bis Ende Herbst im Dezember. Innerhalb der neun Monate Feldforschung gelang es die 12 Kreisgrabenanlagen komplett oder teilweise geomagnetisch zu prospektieren und mit Testflächen repräsentativer Größe zwischen 250-450 m² archäologisch untersuchen. Insgesamt ergab sich eine Grabungsfläche von ca. 4400 m². Die seit Ende der Grabungen im Dezember 2005 laufende Aufarbeitung des Fundmaterials ermöglicht bereits eine relativchronologische und kulturelle Einordnung einiger Anlagen.

Die Grabungen begannen im März bis Mai an den drei Fundstellen in Belleben, Ldkr. Bernburg. Dabei konnten zwei nur wenige hundert Meter voneinander entfernt und auf einer Hochfläche gelegene als mittelneolithische Anlagen mit jeweils einem ca. 0,8-1,2 m tiefen Spitzgraben erkannt werden. Das Fundgut ist neolithischer Prägung, ohne eine genauere Einordnung zuzulassen. Radiokarbondatierungen von Tierknochen weisen die Fundstellen in den Zeitraum zwischen 3650-3360 v.Chr. Die dritte Bellebener Fundstelle befand sich am Rand einer Hochfläche im Ausgangsbereich eines kleinen Taleinschnitts. Neben zahlreichen spätbronzezeitlichen Gruben wurden zwei bis 1,6 m tiefe Sohlgräben entdeckt, welche anhand von Funden aus allen Füllschichten ebenfalls in die späte Bronzezeit datieren.

Zeichnerische Dokumentation eines spätbronzezeitlichen Kreisgrabens bei Belleben. (Foto A. Spatzier)

In den gleichen Zeitabschnitt weist das keramische Fundgut die im Mai/Juni in der Ebene nahe der Fuhne ergrabene Anlage von Preußlitz, Ldkr. Bernburg. Es konnten drei ovale bis kreisförmige Gräben von 0,3 / 1 / 1,3 m Tiefe nachgewiesen werden, die nach derzeitigem Stand zumindest eine 2-Phasigkeit vermuten lassen. Für den Zweiten in Inneren gelegenen wurde eine nach Nordwesten gerichtete Erdbrücke sowie ein zumindest teilweise begleitendes Palisadengräbchen erfasst. Außerdem fanden sich zahlreiche spätbronzezeitliche Gruben.

Grabungsplanum im Bereich der inneren Kreisgräben der spätbronzezeitlichen Anlage von Preußlitz. (Foto A. Spatzier)

Die auf einem Höhenrücken südlich der Laweke gelegene Fundstelle von Dederstedt, Ldkr. Mansfelder Land, untersucht im Juli, erbrachte neben einer Siedlungsgrube mit Material der Baalberger Kultur zwei im Luftbild unregelmäßig ovale und 1,1 / 1,8 m tiefe Spitzgräben. Das Fundmaterial aus den Gräben ist unspezifisch neolithischer Prägung, doch können diese aufgrund von zwei Passstücken von Silexabschlägen aus einem Graben sowie der genannten Grube ebenfalls der Baalberger Kultur zugesprochen werden Knochenfunden aus der Grabenverfüllung datieren die Fundstelle zwischen 3650-3350 v.Chr.

Putzen und Einmessen des Planums des mittelneolithischen Dederstedter Grabenwerks. (Foto A. Spatzier)

Infolge der im Juli/August bei von Neutz-Lettewitz, Ldkr. Saalkreis, durchgeführten Grabungen wurden die bereits von Luftbildern bekannten Gräben der in schwacher Kuppenlage situierten Fundstelle auf zwei Teilflächen angeschnitten. Die Anlage besitzt zwei Kreisgräben von 1,3 / 1,6 m Tiefe in Sohlform mit versetzter Öffnung im NO, welche durch einen dritten, sich über eine größere Distanz außerhalb fortgesetzten „Landgraben“ verbunden sind. Dadurch ist die Anlage in ein wohl spätbronze-/früheisenzeitliches Flursystem eingebunden. Diesen Zeitansatz scheinen direkt westlich des äußeren Grabens gelegene Gruben der Spätbronzezeit zu bestätigen, welche Hinweise auf Metallverarbeitung vor Ort erbrachten. Außerdem fanden sich im Inneren insgesamt sechs schnurkeramische Gräber.

Grabungsteam beim Anlegen des Kreuzschnitts durch eine spätbronzezeitliche Grube in Neutz. (Foto A. Spatzier)

Bei Bad Dürrenberg, Ldkr. Merseburg-Querfurt, wurde im August eine Teilfläche der Kreisgrabenanlage im Bereich der östlich orientierten Grabenunterbrechung geöffnet. Nachgewiesen wurden der unten schmale und 0,8-1,1 m tiefe Sohlgraben, aus welchem unspezifische, spätbronze-/früheisenzeitliche Scherben geborgen werden konnten. Einige vor allem im Inneren gelegene Gruben und Pfostenlöcher waren fundleer.

Kreisgraben von Bad Dürrenberg im Bereich der Torsituation. (Foto A. Spatzier)

Die direkt neben der Bode auf einer sehr flachen Erhöhung innerhalb der Ebene gelegene Kreisgrabenanlage von Egeln, Ldkr. Aschersleben-Staßfurt, besaß mindestens 2 Torsituationen. Sie wurde im September im Bereich der südöstlichen Grabenunterbrechung sowie etwas westlich davon untersucht. Auch hierbei handelt es sich um einen am Boden schmalen 0,8-1 m tiefen Sohlgraben, welcher zwar keine bestimmbare Keramik erbrachte, allerdings von einigen der sehr zahlreich aufgedeckten Spätbronzezeit-Gruben überlagert wird. Von der Örtlichkeit sind außerdem mesolithische und neolithische Funde, u.a. der Bernburger Kultur sowie ein Bronzering und die Reste zweier völlig eingeebneter Grabhügel bekannt.

Planum des Egelner Rondells mit spätbronzezeitlichen Gruben. (Foto A. Spatzier)

Für die größte Anlage (Ø ca. 140 m) mit Torsituation im O bei Glöthe, Ldkr. Schönebeck, konnten im Oktober zwei Sohlgräben mit 0,4-0,6 bzw. 0,7-0,9 m Tiefe nachgewiesen werden. Zwischen diesen könnte sich nach Aussage der Grabenverfüllungen ehemals ein Wall befunden haben. Aus den Gräben konnten die Reste von zwei Schalen sowie einem weiteren Gefäß geborgen werden, welche wohl eine Zuordnung der Anlage zur trichterbecherzeitlichen Baalberger Kultur ermöglichen. Interessant ist die Situierung in der ebenen Landschaft neben dem nur 1 km entfernten Wartenberg als lokal höchste Erhebung.

Planum des Grabenwerks bei Glöthe. (Foto A. Spatzier)

Die Gräben des nahezu kreisrunden Doppelrondells mit mindestens zwei Toren von Schönebeck, Ldkr. Schönebeck, erwiesen sich ebenfalls als Sohlgräben. Innerhalb des im Oktober/November ergrabenen Bereichs der nordwestlichen Öffnung war der äußere mit ca. 0,8 m Tiefe an der Sohle relativ schmal, der innere verhältnismäßig breit und bei gleicher Höhenlage nur ca. 0,2 m tief erhalten. Das keramische Fundgut entspricht dem Formenschatz der frühen Aunjetitzer Kultur. Zudem überlagert den Außengraben ein kleiner spätbronze-/früheisenzeitlicher Kreisgraben von ca. 12,5 m Durchmesser, der zum an gleicher Stelle angelegten Kreisgrabenfriedhof gehört.

Öffen und Putzen der Grabungsfläche bei Schönebeck, im Vordergrund ein Kreisgraben der spätbronze-/früheisenzeitlichen Nekropole. (Foto A. Spatzier)

Die gleichfalls in der Ebene des Einzugsgebietes der wenig nördlich verlaufenden Elbe gelegenen Anlage von Pömmelte, OT Zackmünde, Ldkr. Schönebeck, weist ebenso der fast kreisförmige Grundriss, in diesem Fall mit wahrscheinlich 4 Eingängen, aus. Auf der Grabungsfläche im Bereich der nordwestlichen Torsituation hatte der Sohlgraben eine Tiefe von ca. 0,7 m, aus der Verfüllung nördlich der Erdbrücke stammen die Reste einer Schale mit T-Rand. Im Verlauf des Grabens konnten drei rundliche, mit diesem in Verbindung stehende Vertiefungen nachgewiesen werden, die bis ca. 1,4 m unter die Grabensohle abgetieft waren. Am Boden fanden sich Tassen und Krüge, geschliffene Flachbeile aus Stein und in einem Fall eine Kinderbestattung. Die Funde sind in den Übergangshorizont der späten Glockenbecherkultur zur frühen Aunjetitzer Kultur einzuordnen, in etwa dem Zeitraum zwischen dem 23.-20. Jh.v.Chr. Außerdem konnte ein den Graben im Inneren begleitendes Palisadengräbchen sowie einige Pfostenlöcher und Gruben nachgewiesen werden, die jedoch bis auf einzele vorgeschichtliche Scherben fundleer waren.

Eingangssituation des frühbronzezeitlichen Kreisgrabens mit Pallisadengräbchen von Pömmelte-Zackmünde. (Foto A. Spatzier)

Als letzte wurde im Dezember die Fundstelle bei Groß Rosenburg, Ldkr. Schönebeck, im oberen Teil einer leichten Hanglage ca. 2 km von der Saale untersucht werden. Im Bereich der nordöstlichen Eingangssituation konnten Gruben nachgewiesen werden, die nach einer Sichtung des Materials Keramik der Bernburger Kultur sowie der späte Bronzezeit enthielten. Eine Bernburger Grube wird von den oberen Füllschichten des sohlförmigen, bis zu 1,2 m tiefen Kreisgraben überlagert. Aus der Verfüllung des Grabens wurde Keramik geborgen, welche einerseits Anklänge an den jüngeren Trichterbecherkreis aufweist, andererseits der Bernburger Kultur zuordenbar ist. Außerdem lagen in den Füllschichten Reste eines bronzenen Spiralröllchens. Innerhalb der Anlage gelegen war zudem ein spätbronzezeitliches Steinpackungsgrab.

 Rondell von Groß Rosenburg im Bereich der Grabenunterbrechung mit mittelneolithischen Gruben im Vordergrund und spätbronzezeitlichem Steinpackungsgrab im Inneren. (Foto A. Spatzier)

 

 

Last Updated on Tuesday, 26 May 2009 07:24
 
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